Historische Ansichten von Dausenau

Die Dausenauer Kirche in einer Winterlandschaft

Dieses Ölgemälde von 1841 zeigt die Dausenauer St. Kastorkirche, wie man sie sicher nicht kennt. Der Maler stellte das Gotteshaus kurzerhand in eine einsame Winterlandschaft.

Dies entsprach dem damaligen Zeitgeschmack, in dem sich die Betrachter und Kunden "romantische" Bilder wünschten. Die tatsächliche Lage im Dorf erschien dem Künstler an dieser Stelle wohl zu profan.

Das damals tatsächlich sanierungsbedürftige Äußere der Kirche passte hervorragend in die romantische Sichtweise. Auf die Vorbauten der Eingänge der Kirche verzichtet dieses Bild. Obwohl die kalte Winterlandschaft, der vernachlässigte Friedhof und die Landschaft beim Betrachter ein Gefühl der Verlassenheit erwecken, ist er trotzdem nicht völlig allein - ganz klein am Ende des Weges im Hintergrund erscheinen noch einige Staffage-Figuren, die das Gefühl der Einsamkeit mindern.

Der in Düsseldorf gebürtige und ansässige Künstler Carl Hilgers schuf dieses Gemälde mit 23 Jahren als erstes von mindestens vier Werken mit dieser Kirche.

Schon als 11jähriger erhielt Hilgers seinen ersten Unterricht an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1833 bis 1844 studierte er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Johann Wilhelm Schirmer. Hilgers unternahm Reisen durch Deutschland, Belgien, die Niederlande und Frankreich. Der Romantiker spezialisierte sich auf winterliche Landschaften, später oft im Stil der niederländischen Altmeister. Den Großteil seines Werkes bilden winterliche Szenen von heimkommenden Fischern, und Wintervergnügen von Menschen auf zugefrorenen Gewässern in flachen Landschaften

Der 1818 geborene Carl Hilgers war zu Lebzeiten einer der bekanntesten und wohl produktivsten Maler aus der Düsseldorfer Akademie. Er erhielt Anerkennungen, vor allem auf den Akademischen Kunst-Ausstellungen in Berlin (1844-1876) und Dresden (1864-1883). Nach seinem Tod 1890 liess die Popularität seiner Bilder nach und Hilgers geriet in Vergessenheit.

 

Alte Straßenansicht mit Kastormühle

Dieses Foto vom Anfang des letzten Jahrhunderts zeigt eine Partie der noch unbefestigten Langgasse mit der Kastormühle im Hintergrund. Parallel zur Langgasse verläuft hier der Unterbach, der damals von einer schönen Bogenbrücke überspannt wurde. Die Straße die darüber führt, heißt heute "Im Rosengarten".

Die Kastormühle war zu dem Zeitpunkt, an dem das Foto entstand, vermutlich schon nicht mehr als Mühle im Betrieb. Ein Indiz dafür ist, dass auch der Name St. Kastormühle, mit dem das Bild betitelt ist,  erst nach der Umwandlung des Mühlenanwesens in eine Gastwirtschaft gebräuchlich wurde.

Bei den ältesten Erwähnungen der Mühle handelt es sich um Aufzeichnungen über die Einnahmen und Ausgaben der Kirchengemeinde aus dem 17. Jahrhundert. Hier wird die spätere Kastormühle als "Frauenhäusgens Mühl" bezeichnet. Dieser Name kam daher, dass sich gegenüber eine Marienkapelle befand, die im Volksmund "Frauenhäusgen" genannt wurde. Der Betreiber der Mühle war unter anderem verpflichtet, dem Dausenauer Schulmeister sowie der Pfarrei Ems Abgaben zu leisten. Daher wurde sie in anderen Quellen auch als Pfarr- oder Schulmühle bezeichnet.

Nach 1700 taucht dann der Name "Bachheims Mühle" auf, der auf den Müller  Johann Philipp Bachheim und seine Familie, zurückgeht.

Im Jahr 1904 entschloss sich der damalige Betreiber, ein gewisser Johann Adam Heinrich Krekel, den Mühlenbetrieb aufzugeben. Er errichtete vor dem Mühlenanwesen ein neues Gebäude, in der Absicht dort eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Den Namen leitete er wohl von St. Kastor, dem Patron der Kirche in Dausenau, sowie dem möglichen Erbauer der Mühle, dem Koblenzer Kastorstift her

Zwar verkaufte er das nun "Kastormühle" genannte Anwesen bereits 1906, aber auch die folgenden,  noch mehrfach wechselnden Besitzer,  führten es als Speisegaststätte.

Heute ist die schön renovierte Mühle der Sitz einer mittelständischen Firma aus dem Bereich technische Klebeprodukte und Formstanzteile.

 

Dausenauer Küche – um 1845

Einen Einblick in das Dausenauer Alltagsleben vergangener Zeiten gewährt uns dieses Aquarell des Düsseldorfer Malers Carl Wilhelm Hübner.

In der offenen Feuerstelle mit großem Rauchfang umspielt der Feuerschein einen Topf mit drei Füßen. Direkt daneben liegt eine Katze und genießt die Wärme. Lappen hängen zum Trocknen über dem Geländer, Wirtschaftsgeräte an den Wänden. Vorne links, in der Nähe der Feuerstelle, sieht man einen Hauklotz und eine Axt. Rechts, mit Bleistift gezeichnet, eine Waschbütt. Eine ärmliche Küche, in der offensichtlich hart gearbeitet wurde.

Wo genau sich in Dausenau dieser Raum befand, das ist leider nicht überliefert, obwohl die Treppen doch recht charakteristisch sind. Der Aufgang ins Obergeschoß ändert mit einem Podest die Richtung, der obere Teil der Treppe ruht rechts auf einem Stützbalken, links ist er an der Decke aufgehängt und endet nach unten in einem kugelförmigen Knauf. Auf der linken Seite des Bildes ist eine weitere Treppe zu sehen, die in einen Nebenraum führt.

Vielleicht erinnert sich jemand aus der älteren Leserschaft an einen Raum, der infrage kommen könnte.

Carl Wilhelm Hübner war ein bedeutender Genre- und Landschaftsmaler der Romantik. Mit 23 Jahren fand er Aufnahme an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er bis 1841 als Schüler von Wilhelm von Schadow und Carl Ferdinand Sohn studierte. Danach unterhielt Hübner ein eigenes Atelier in Düsseldorf.

In Dausenau fertigte der Maler noch weitere Zeichnungen an. Es gibt beispielsweise ein Aquarell mit der Rundbogen-Tür eines in Bruchstein gemauerten Stalles. Außerdem findet sich der Portalvorbau der St. Kastorkirche als architektonisches Versatzstück in einem seiner wichtigsten Bilder mit dem Titel „Die Auswanderer“, das schon bei der ersten Ausstellung von der Nationalgalerie in Oslo angekauft wurde. Hübners Hauptwerke zeigen Darstellungen von Szenen des Alltags, auch aus dem Leben von Dieben, Schmugglern oder Wilderern.

1847 unternahm Hübner eine Studienreise in die USA. 1848 war er maßgeblich an der Gründung des Künstlervereins „Malkasten“ in Düsseldorf beteiligt. Am 5. Dezember 1879 starb Hübner in Düsseldorf.

 

Eine historische Zeichnung von Dausenau

Die feine kleine Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 1829 ist eine der ältesten bekannten Darstellungen der Ansicht von Dausenau. Sie zeigt den Ort, mit der Lahn im Vordergrund, aus der Richtung Bad Ems. Der Frankfurter Maler, Kupferstecher und Buchbinder Friedrich Wilhelm Delkeskamp hat diese Zeichnung geschaffen.

Der heute als "Schiefer Turm" bekannte Turm ist damals noch keineswegs schief. Er begann sich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu neigen, und wurde aus Sicherheitsgründen 1951 um einige Meter abgetragen. Auf dieser Zeichnung ist er in seiner ursprünglichen Höhe zu sehen und besitzt auch noch nicht das Dach, das 1929 hinzugefügt wurde.

Der Torturm zeigt bereits - wie heute - die vergrößerte Durchfahrt, die man Anfang des 19. Jahrhunderts den Verkehrsanforderungen anpasste.

Rechts der Kirche, halb von ihr verdeckt, lugt ein weiterer Stadtmauer-Turm hervor: Der damals noch in voller Höhe existierende Drehersturm, der wenige Jahre später abgebrochen wurde.

Die Alte Eiche in der Bildmitte, ist mit heute verglichen, noch ein recht zierliches Bäumchen.

Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man schräg unterhalb des "Schiefen Turms" auf der Lahn einen kleinen Kahn. Dabei dürfte es sich um das Boot handeln, das damals als Fähre zum Kappesfeld diente und noch nicht für Fuhrwerke ausgelegt war.

Zum Künstler:

Friedrich Wilhelm Delkeskamp wurde in Bielefeld am 20.9.1794 geboren, und starb in Bockenheim am 5.8.1872. Er lernte ab 1815 in Groß-Breitenbach in Thüringen das Porzellanmalen in der Manufaktur Greiner & Sohn, und war gleichzeitig als Zeichenlehrer an der dortigen Schule tätig. Danach wurde er Porzellanmaler in Hanau, und arbeitete später an der Königlichen Porzellan Manufaktur in Berlin. Bei Johann Baptist Hoessel in Berlin lernte er das Handwerk des Kupferstichs und illustrierte Bücher. Delkeskamp schuf Stiche, Zeichnungen, Aquarelle, meist plastisch-naturgetreue und wissenschaftlich präzise Darstellungen.
 

Fuhrsmühle, die frühere Mühle der Herren von Stein

Auf diesem Foto aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ist die Rückseite der heute als Fuhrsmühle bekannten Getreidemühle zu sehen. Wie deutlich zu erkennen ist, liegt das Anwesen innerhalb der Dausenauer Stadtmauer. Sie ist eine der ältesten Mühlen der Gemeinde, die frühesten schriftlichen Nachrichten datieren aus dem 15. Jahrhundert. Die Mühle gehörte damals den Herren von Stein. 1614 wurde sie als "Steinisch Mühl" bezeichnet, 1716 taucht der Begriff "Junkers Mühl" auf.

Die Betreiber dieser Mühle besaßen sie also nicht als Eigentümer, sondern als Erbleiher. Um 1600 hatten sie jährlich vier Malter Korn (ein Malter entsprach grob hundert Litern) an die Herren von Stein zu entrichten, dazu kamen noch Abgaben an den Landesherren.

Im 18. Jahrhundert passierte in dieser Mühle ein Unglück, das auch ein Licht darauf wirft, wie autoritär sich das Verhältnis zwischen Müller und Mühlknechten zu dieser Zeit gestaltete: Einer der Knechte schlich sich nach dem gemeinsamen Abendessen fort, besuchte eine im Ort stattfindende Hochzeitsfeier und versackte wohl anschließend bei einigen "bösen Buben". Erst um drei Uhr früh kehrte er in die Mühle zurück und fand die Haustür verschlossen. Da er vor Arbeitsbeginn im Haus anwesend sein musste, versuchte er an der Stelle, an der der Wellbaum des Wasserrades ins Innere des Gebäudes führte, hinein zu kriechen. Unglücklicherweise setzte sich dabei die Mühle in Bewegung, und der Knecht wurde zu Tode gequetscht. Der örtliche Pfarrer vermerkte im Kirchenbuch, dass es ein "betrübter Anblick" gewesen sei. Ein kirchliches Begräbnis fand nicht statt.

1839 übernahm Peter Fuhr den Betrieb der Mühle und löste 1845 die Erbleihe ab, die inzwischen in einer jährlichen Abgabe von fünf Malter Korn bestand. Dadurch wurde er uneingeschränkter Eigentümer der Mühle. Bereits 1851 verkaufte er sie weiter. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte die Mühle mehrere Besitzer.

Im Jahre 1919 übernahm sie der Müller Jacob Fuhr, der zuvor die Dausenauer Blumenmühle betrieben hatte, an deren Stelle heute das Kinderheim Waldesruh steht.

Bei dem Umzug entfernte Jacob Fuhr das Getriebe aus der Blumenmühle, um es so einem möglichen Konkurrenten erst einmal schwer zu machen. Er modernisierte die ehemalige Stein'sche Mühle und betrieb sie, nebst der bereits im vorangegangen Jahrhundert hinzugekommenen Bäckerei. Seit dieser Zeit wurde die Mühle im Ort nur noch als "Fuhrsmühle" bezeichnet. Die Mühle versorgte bis 1956 ihre Kunden mit Mahlprodukten. Die Bäckerei gab der letzte Müller 1970 auf. Heute werden die Gebäude als Wohnhäuser genutzt

 

Die Waldmühle


 

Erst Ölmühle - dann Ferienidyll 

Dieses, vermutlich in den 60er oder 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Foto zeigt die Dausenauer Waldmühle im Unterbachtal. Wie der Aufschrift auf den Gebäuden zu entnehmen ist, war sie damals ein gut gehender Café- und Pensionsbetrieb. Der Wasserlauf in der Bildmitte dürfte noch zur früheren Mühlenausstattung gehören. Bei der Wasserfläche auf der rechten Seite, die für den oberflächlichen Betrachter nach Swimmingpool aussieht, handelt es sich wohl um einen der heute noch bestehenden Fischteiche.

Die Waldmühle ist ein traditionsreiches Mühlenanwesen. Als Krekels oder Zimmermanns Ölmühle verarbeitete sie ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Ölfrüchte, aber auch Walnüsse, zu Speise- und Lampenöl. Ihr Erbauer Georg Philipp Krekel besaß gleichzeitig noch eine Getreidemühle - die spätere Kastormühle. Daher ließ er die Ölmühle durch seine Schwiegersöhne betreiben. Nach dem Tod Krekels, übernahm der Ehemann seiner drittältesten Tochter, Johann Wendel Zimmermann, die Mühle. Die Familie Zimmermann bewirtschaftete die Waldmühle über 100 Jahre. 1890 wurde die Tätigkeit nach dem Tod des damaligen Müllers jedoch eingestellt und ein Jahr später verkaufte die Witwe die Ölmühle. Der neue Besitzer baute das Anwesen zur Schrotmühle um, konzentrierte sich später jedoch ausschließlich auf die Gastwirtschaft, die er hier einrichtete.

Abhängig von weiteren Besitzerwechseln - und wohl auch der Tourismussituation in Dausenau - wurde die Waldmühle in der Folge abwechselnd gastronomisch, oder als privates Wohnhaus genutzt.

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