Stadtmauerrundgang

Dausenau hatte seine Blütezeit im 14. und 15. Jh. (Stadtrechte 1348). In dieser Zeit wurden alle wichtigen Baudenkmäler geschaffen. Erst die Kriege des 17. Jh. brachten eine Verarmung mit sich, weswegen sich vieles bis zur Modernisierungswelle des 20. Jh. erhalten hat. Der Rundgang um die Ringmauer führt Sie etwas bergauf und bergab - festeres Schuhwerk wäre dafür günstig.

Die Stadtmauer mit ca. 1 km Länge wurde in der 2. Hälfte des 14. Jh. errichtet, nachdem die Grafen von Nassau für den Ort im Jahr 1348 Stadtrechte erwirkt hatten. Die weithin sichbare Stadtmauer ist teilweise oberhalb der Häuser des alten Ortskerns in den Hang  gebaut und man kann sie auf einem Rundweg erkunden und schöne Ausblicke genießen.

Beginnen Sie ihren Rundgang an der Lahnbrücke, am besten auf der dem alten Ortskern gegenüberliegenden Seite der Lahn. Lassen Sie die Lahnansicht des Ortes auf sich wirken - es ist unsere "Schokoladenseite".

Von hier sehen Sie alle Merkmale einer typischen mittelalterlichen Stadt eindrucksvoll zueinander in Beziehung gesetzt wie sonst selten - unter perfekter Ausnutzung der Landschaft. Sie sehen die wehrhafte Stadtbefestigung zum Schutz der Menschen, flankiert von zwei Türmen - wichtig in den unruhigen Zeiten des 14. Jh.. Sie sehen den Fluss als früheren Handelsweg mit dem "Leinpfad" entlang der Stadtmauer, auf dem Pferde die Schiffe zogen (Treidelschifffahrt). In der Mitte der Lahnfront überragt das spätgotische Alte Rathaus noch heute alle ande­ren Häuser - Ausdruck einer selbstbewussten Bürgerschaft. An das frühere Gericht „mit Stock und Galgen" erinnert die große Alte Eiche an der Lahnbrücke vor dem Torturm. Über Allem aber thront auf einem Felsen im Ort die gotische St. Kastorkirche, wachend und schützend, die mit ihrer Form ein wenig an eine brütende Henne erinnert - übrigens ein glücklicher Zufall ihrer Baugeschichte. Eindrucksvoller kann sich das Bild einer mittelalterlichen Stadt kaum präsentieren.

Gehen Sie jetzt über die Brücke zur sogenannten 1000jährigen Alten Eiche, die auch als Gerichts- oder Fehm-Eiche bezeichnet wird. Ob hier jedoch jemals ein Verbrecher hingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Im Wurzelbereich hat die Eiche einen Um­fang von 15 Metern.

Das Wurzelwerk reicht bis zur Lahn, deswegen litt der Baum nie unter Wassernot. Eine zweite Besonderheit: die Eiche ist innen hohl. Um den Baum zu stützen hatte man ihn 1907 innen ausbetoniert, doch nachdem sich dies als schädlich erwies wurde der Beton 1974 wieder entfernt und die Eiche von einem Baumchirurgen saniert (zuletzt 1999). Auch heute nisten noch gelegentlich Käuzchen im Innern des Baumes.

Sie stehen nun vor dem Torturm (Höhe 18,32 m ohne Dach). Es ist der einzige der früher acht (!) Türme, der noch vollständig erhalten ist. Lediglich anfangs des 19. Jh. wurde die Durchfahrt verbreitert, so dass noch heute der gesamte Verkehr zwischen Koblenz und Limburg den Torturm passieren kann - und muss. Interessant sind die Reste des Pech-Erkers (nur die Abdeckung fehlt), aus dem heißes Wasser oder Steine auf Feinde vor dem Tor gegossen, bzw. geworfen werden konnten. Der Bogenfries unter den Zinnen hatte u.a. auch eine repräsentative Funktion - deswegen wurden Konsolen aus behauenem Tuff und Basaltlava verwendet. Hier fallen auch drei grobe Wasserspeier auf, die darauf hindeuten, dass der Turm ursprünglich kein Dach hatte. Das heutige Dach stammt von 1929, hatte jedoch schon sehr frühe Vorgänger. Deswegen ist der Turm noch so gut erhalten. Es brauchten nur die Zinnen restauriert zu werden. Leider ist das Innere des Torturms nicht öffentlich zugänglich.

Die Stadtmauer wurde um 1359 erbaut und hat eine Länge von einem Kilometer. Zwei Besonderheiten machen sie heute so interessant:

1) Auf 90% ihrer Länge ist sie noch erhalten (wenn auch als Ruine) - von diesem Erhaltungsgrad gibt es nur noch zwei andere Stadtmauern in Rheinland-Pfalz.

2) Sie ist weitgehend im Hang über den Dachgiebeln der Häuser gebaut, so dass Sie von fast jeder Stelle im Ortskern die Mauer sehen können. Sie hat daher eine außerordentlich prägende Funktion für das Ortsbild. An ihrer Außenseite ist sie nur teilweise mit einem Bogenfries verziert, wobei meist unbehauene Bruchsteine als Konsolen verwendet wurden. 

Gehen Sie nun zum Lahnufer und folgen Sie dem Leinpfad entlang lahnaufwärts. Die vor ggf. herabstürzenden Ästen der „Alten Eiche“ schützende Stahlkonstruktion wurde 2014 gebaut.

Die erste kleine Pforte in der Stadtmauer ist die Fischbachs-Pforte, durch die früher die Schiffer mit ihren Pferden bequem zum benachbarten Alten Wirtshaus mit seinem Stall gelangen konnten. Das Alte Wirtshaus an der Lahn, war früher eine Herberge und Gaststätte für Fuhrleute und Schiffer, mit einem Stall für die Pferde. Ob es nun das Alte Wirtshaus ist, das in dem Studentenlied besungen wird, ist immer noch eine offene Streitfrage. Aber schon im 30jährigen Krieg ist es als Wirtshaus belegt und nur wenige Gasthäuser können auf eine 350jährige Tradition zurückblicken.

Einige Meter weiter lahnaufwärts treffen Sie auf den unteren Bachdurchlass, einer der beiden "Schosspforten". Diese Pforte konnte mit einem Fallgitter gesichert werden, das außen angebracht war. Die Führungssteine aus Trachyt können Sie noch entdecken.

Daneben befindet sich das Alte Rathaus, das lahnseitig auf die Stadtmauer aufgesetzt ist. Hier sind auch die Hochwasser-Marken der Lahn angebracht. Besonders schlimm war das Hochwasser im Februar 1909, als der Bach dafür sorgte, dass der Ortskern unter Wasser stand und hinterher der Schutt bis zu drei Meter hoch in den Straßen lag. Hochwasserprobleme wie am Rhein kennt man hier sonst kaum. Die Lahnstraße stand zuletzt 1984 unter Wasser.

Das Alte Rathaus wurde 1432-1434 erbaut als Fachwerkbau auf einem Bruchsteinsockel und bezieht den Wehrgang der Stadtmauer im Innern ein. Es ist das "zweitälteste spätgotische Fachwerkrathaus Deutschlands". Nur das Esslinger Rathaus ist zwei Jahre älter. Das Dausenauer Rathaus ist als nationales Kulturdenkmal eingetragen und wurde im Auftrag der Verbandsgemeinde Bad Ems 1981-1985 für 1,5 Mio DM restauriert, nachdem es kurz vor dem endgültigen Verfall stand. Das Fachwerk wurde abgetragen und konserviert. Im Erdgeschoss baute man eine hochwassersichere Betonwanne ein, bevor dann das Fachwerk wieder aufgesetzt wurde. Dabei stellte man auch die ursprüngliche Höhe des Gebäudes mit dem steilen Dach wieder her. Heute befinden sich Sitzungsräume, ein Archiv, eine Kellerbar, sowie der große Saal in dem Gebäude. Gelegentlich finden Konzerte statt und der Saal kann für private Feiern gemietet werden. Inzwischen sind auch standesamtliche Trauungen hier möglich. In seiner Geschichte hat das Rathaus, zumindest zeitweise, u.a. auch als Gefängnis gedient - es ist bekannt, dass im 17. Jh. die der Hexerei Angeklagten dort inhaftiert waren.

Die spitzbogige Pforte neben dem Rathaus wurde im Rahmen der Rathaussanierung rekonstruiert. An dieser Fehrnpforte befand sich früher die Anlegestelle der Fähre - bis zum Brückenbau 1902.

Weiter lahnaufwärts finden Sie das einzige größere Stück Stadtmauer, das in voller Höhe original erhalten ist. Der Bereich ohne Bogenfries ist etwas jüngeren Datums, nachdem hier offenbar schon sehr früh ein Teilstück eingestürzt, oder zerstört worden war.

Die kleine - 1995 wieder geöffnete - Pforte ist die Strickers-Pforte, das Gegenstück zur Fischbachs-Pforte. Hier sollen einmal Handschellen befestigt gewesen sein. An der Innenseite können sie noch die Löcher des Balkenriegels sehen, mit dem früher die Tür gesichert werden konnte. Anschließend finden Sie die Alte Schule - heute Rathaus. Es ist ein klassizistischer Bau von 1832-33, aus einer Zeit, in der man wenig um die alte Stadtmauer gab. Man war besonders stolz auf diesen im Ortsbild herausragenden Platz für die Schule, konnte man so die Bedeutung zeigen, die man hier der Schulbildung beimaß.

Gehen Sie weiter, vorbei an dem großen gemauerten Eisbrecher und gehen Sie über die Treppe und Rampe hinauf zur Straße. Der heutige Parkplatz war früher der Schulhof. Die Eiche auf diesem Platz wurde am 90.Geburtstag Kaiser Wilhelms I. am 22. März 1887 gepflanzt.

Jetzt stehen Sie vor dem Schiefen Turm, dem Wahrzeichen Dausenaus. Er war der bedeutendste Turm der Stadtbefestigung, ca. 25 m hoch und ist mit seinen acht Seiten besonders wehrhaft. Als anfangs des 19. Jh. die Straße ausgebaut und tiefer gelegt wurde begann der Turm sich zu neigen. Das originale Straßenniveau sehen Sie am Fuß des Turmes in der kleinen Auffahrt.

Eine Sage erzählt, dass Kaiser Karl der Große seine Tochter Emma wegen ihrer Liebe zu seinem Schreiber Eginhardt im Turm eingesperrt habe. Dies ist zwar eine für Dausenau sicher unhistorische Sage, jedoch ist die etwas andere, volkstümliche Version interessant, die damit die Schiefstellung des Turmes erklärt: Emma war oben im Turm eingesperrt und eines Tages stand ihr Eginhard sehnsuchtsvoll unten vor dem Turm. Als sie sich aus dem Fenster lehnte, um ihren geliebten Eginhard zu sehen, neigte sich der Turm. Kein Wunder, denn Emma soll mindestens sechs Zentner gewogen haben! Und so steht der Turm noch heute. - Soweit die Sage.

1929 wurde der Turm saniert, wieder mit einem Dach versehen und zugänglich gemacht. Jedoch blieb der Turm in Bewegung: betrug die Abweichung von der Lotrechten 1929 noch 1,82 m, so war 1948 eine Schiefstellung von 2,00 m erreicht. Als man dann 1950 feststellte, dass sich der Turm außerdem leicht seitlich drehte und dazu in Richtung Lahn glitt, musste man handeln. Allerdings entschloss man sich angesichts leerer Kassen dazu, den Turm um 6,50 m abzutragen. Seit 1959 ist auch der Torso nicht mehr zugänglich. Eine weitere Bewegung des Turmes ist bisher nicht mehr festgestellt worden.

Setzen Sie nun den Rundgang über die Treppe um den Turm herum fort. Am Fuß der Treppe finden Sie den Ansatz der ehemaligen Pforte am Turm. Wenn Sie auf der anderen Seite des Turmes angekommen sind, schauen Sie nach oben, dort sehen Sie den originalen einzigen Eingang hoch über der Stadtmauer. Die Eisenleiter liegt an ihrem oberen Ende auf einem herausragenden Stein auf, der schon immer für eine ähnliche Leiter diente. Die Lage des Eingangs ist ungewöhnlich hoch im Gegensatz zu den anderen Türmen. Dies deutet auf die beson­ders große Sicherheit des Turmes hin - vergleichbar mit dem Bergfried einer Burg. Vor 1929 galt es als Mutprobe unter den Dausenauer Kindern, mit Hilfe von Seilen den Turm zu erklimmen und das Innere mit dem "Verließ" zu erforschen. Dass die Lage des Eingangs schon früh als unpraktisch empfunden wurde, beweist der aufgegebene Versuch einer Neuanlage des Eingangs im unteren Bereich - sichtbar knapp über dem Dach der Garage.

Gehen Sie nun weiter bis zum nächsten Turm, dem Drehersturm, der wie manche anderen Türme nach früher in der Nähe wohnenden Familien benannt ist. Dieser Turmtorso ist zu einem Aussichtspunkt umgebaut worden, von dem aus Sie einen schönen Blick auf den Ort und die meisten Türme haben. Auf der anderen Talseite sehen Sie den Ackertsturm mit dem hoch aufragenden Mauerrest. Der Weg, der an ihm vorbei auf die Höhe führt, war bis ca. 1800 der einzige hochwassersichere Weg nach Bad Ems. Vom Ackertsturm weiter in das Tal hinein sehen Sie den Rest des Fuhrsturms. Zwischen den jeweils benachbarten Türmen bestand immer Sichtkontakt, meist auch zu weiteren Türmen. Die ganze Verteidigungsanlage wurde nach einem gut durchdachten Konzept erbaut. Bedenken Sie, dass Sie heute meist nur das Erdgeschoss der Türme sehen, die z.T. bis zu vier Stockwerke hoch waren.

In der Umgebung des Drehersturmes wurde der Wehrgang bei den Sanierungen 1990 und 1991 auf seine originale Breite rekonstruiert - bitte nicht betreten!! Nördlich von Ihnen (taleinwärts) können Sie am Wehrgang den kleinen unscheinbaren vorkragenden Rest eines Treppenaufganges entdecken. Beachten Sie das wesentlich höhere Bodenniveau an der Außenseite der Mauer. Die hohen Aufschüttungen und Anschwemmungen werden in den nächsten Jahrzehnten zu einem ernsten Problem werden.

Sie werden sich vielleicht fragen, warum ein so kleiner Ort so stark befestigt wurde. Dies steht im Zusammenhang mit einer Politik der territorialen Sicherung der Nassauer Grafen. Außer diesen Grafen versuchten auch die Erzbischöfe von Mainz und Trier ihren Einfluss an der Lahn auszudehnen, und Dausenau lag dicht an der Stammburg Nassau. Die kaiserliche Genehmigung für die Anlage von befestigten Städten seitens der Nassauer Grafen von 1348 bezog sich auf Nassau, Dausenau und Scheuern (heute ein Stadtteil von Nassau). Sie können sich vorstellen, dass nicht nur die Erbauung, sondern auch die Erhaltung dieses besonderen Kulturdenkmals eine große Aufgabe für eine solch relativ kleine Gemeinde ist, die ohne staatliche Unterstützung nicht machbar ist.

Folgen Sie nun dem ansteigenden Weg. Sie treffen auf den Weg nach Nassau, der hier durch die ehemaligen Weinberge führt. Folgen Sie aber weiter der Ringmauer - nach ein paar Metern kommen Sie zum Christiansturm, einem hufeisenförmigen Turm, der früher zum Dorf hin mit einer Fachwerkwand geschlossen war. Außer der Schießscharte sehen Sie noch den Rest eines Eingangs, sowie die gemauerte Auflage für die Balkendecke.

Der nächste Turm ist der Katzenturm, von dem noch respektable Reste vorhanden sind. Ursprünglich war er 3/4 rund und zum Ort hin mit Fachwerk geschlossen (Baumaterial: Schiefer), später wurde er als Rundturm geschlossen (Baumaterial: Grauwacke) und aufgestockt. 2013 saniert.

Hinweis: Sie können nun der Treppe hinab folgen, oder einen kleinen Umweg der Straße entlang machen.

Überqueren Sie die Langgasse an der Stelle, wo früher der Hirtzenturm gestanden hat und gehen Sie zum Bacheinlauf, der oberen Schoßpforte. Hier wurde bereits 1324 der Bach zum Schutz des Ortes zu einem Weiher gestaut. Der Schlitz zwischen den beiden Bögen geht bis oben durch und war für Stau-Bretter gedacht. Die Mauer ist stabil genug kon­struiert, um einen größeren Wasserdruck auszuhalten. Beachten Sie den großen Zierbogen über dem Bacheinlauf mit dem benachbarten Bogenfries (kleiner Rest). Vermutlich war die Mauer über dem Bacheinlauf turmartig erhöht. 2003/2004 saniert.

Der nächste Turm ist der Fuhrsturm, der 1988 vom Efeu befreit und saniert wurde. Es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch gerettet werden konnte.

Folgen Sie nun der Mauer bis zum Ackertsturm. Es ist der einzige Turm, von dem wir wissen, dass er einmal bewohnt war. Auch er war zum Ort hin mit Fachwerk geschlossen. Am aufragenden Mauerstumpf erkennen Sie noch die Reste einer Tür, sowie darüber eines Fensters.

Schauen Sie nun zur Kirche: das lange Gebäude direkt links neben der Kirche am Friedhof hat einen großen Keller, der wohl einer der mittelalterlichen Zehntkeller der Nassauer Grafen war (nicht zugänglich).

Die evang. St. Kastorkirche ist die bekannteste Sehenswürdigkeit von Dausenau. Den Erhalt unserer interessanten Kirche verdanken wir einzig dem Pfarrer Heinrich Klein (1873-1889), der sich unermüdlich für eine Rettung des Bauwerkes einsetzte, bis es zur Sanierung von 1884 kam - dank einer großzügigen Spende Kaiser Wilhelms I. Die letzten Renovierungen fanden 1981-1992 und 2005 statt.

Ältester Teil ist der romanische Turm mit seinen Schießscharten, dessen Baubeginn nun datiert werden konnte mit „1179“ – er ist somit auch das älteste erhaltene Bauwerk in Dausenau. Er gehörte bereits zu einer Vorgängerkirche, deren Fundamente man bei einer archäologischen Grabung im Rahmen der Innenrenovierung 1991 entdeckte. Das Rhombendach ist typisch für die Romanik im Rhein- und Maas-Gebiet.

Die heutige frühgotische Kirche wurde von drei Seiten um den romanischen Turm herumgebaut. Der Bau wurde nach 1301 begonnen und das Dachwerk 1312/13 gezimmert. Vollendet war die Kirche spätestens 1319/20. Offenbar hatte man zunächst geplant, den Turm in einem zweiten Bauabschnitt abzubrechen und die Kirche zu verlängern, denn die Säulen im Innern des neuen Baues wurden um ihn herum gesetzt.

Spätere Zutaten sind die beiden Vorhallen vor den Eingängen (15. Jh.), die Stützpfeiler an der Südseite, sowie im Innern die Mittelempore.

Spätestens im 18. Jh. ging eine am Hauptchor befindliche Sakristei der Erbauungszeit verloren, deren Grundriss 2004 archäologisch ergraben und 2005/06 im Pflaster außen sichtbar dargestellt wurde.

Im Innern ist zunächst beachtenswert die freigelegte Wand des Turmes dem Eingang gegenüber, mit dem im 14. Jh. z.T. vermauerten Eingang der Vorgängerkirche und den schlichten Ritzungen im Putz aus dem 12. Jh. (Bogen über dem Eingang und waagerechte Linien). Der ganze Turm war so gestaltet.

Die gotische Kirche zeigt mit der Farbgestaltung rot und weiß (Quadermalerei) den Einfluss des hessischen Kulturkreises. Die Architektur dagegen verweist auf eine Reihe verwandter Kirchen des Mittelrhein-Gebiets (u.a. Diez, Mayen, Montabaur). Der größte Teil der Kirche kann von dem Vorraum aus eingesehen werden, der im Sommer tagsüber zugänglich, und mit einem Gitter vom Rest der Halle abge­trennt ist. Soll­ten Sie darüber hinaus die Kirche noch näher besichtigen wol­len, verbinden Sie dies doch einmal mit einem Gottesdienst-Be­such (1.-3. bzw. 4. Sonntag im Monat 10.10 Uhr, letzter Sonntag im Monat 19.00 Uhr) oder zu den Zeiten der Offenen Kirche von Ostern bis Oktober feiertags, samstags und sonntags von 14.00 – 17.00 Uhr).

Bemerkenswert im Innern der Kirche sind:

- der Flügelaltar aus der Zeit um 1500 mit Figuren der Patrone: St. Kastor, der Maria Magdalena und der Hl. Jungfrau Maria, sowie gemalten Flügeln aus dem Umkreis des Hausbuchmeisters.


- die Wandmalereien aus dem 14. Jh. (detaillierte Informationen zu den Wandmalereien bietet ein Heft, dass sie in der Kirche erwerben können) wurden 1878 von Pfr. Klein wiederentdeckt und 1902 nach dem Zeitgeschmack restauriert und stark rekonstruiert. Sie zeigen:
- im Gewölbe des südlichen Seitenschiffs die Martyrien des Sebastian und der Margaretha (Clemen, S.442.), hinter dem gotischen Altar eine Heiligenfigur und das interessante dreiteilige Fresko des Martyriums der 10.000 auf dem Berge Ararat (auch genannt: Martyrium der thebaischen Legion), zu dem es eine verwandte Darstellung in Boppard gibt, aber auch in Ilbenstadt und Alsheim. Es sind dargestellt: In der Mitte die christlich gewordenen römischen Soldaten, unten das Marty­rium, und oben die Beisetzung der Märtyrer durch Engel.
- im Altarraum: ein Fries mit abwechselnd je zwei Aposteln und einer Szene aus der Passionsgeschichte, darüber eine Verkündigung Marias, eine Heilige, sowie über dem Wand-Tabernakel eine Malerei mit dem Schweißtuch der Veronika (datiert 1525).
- die Wandmalereien im nördlichen Seitenchor stellen vier Heilige mit darüber gesetzten Namen dar, sowie eine Darstellung Christi mit Moses und Elias, die ursprünglich (vor der Restaurierung 1902) jedoch eher Jakobus mit Pilgern zeigte. Beiden Wandmalereien wurde im 20.Jh. von Handwerkern übel mitgespielt.
- Die Darstellung des St. Kastor über der Mittelsäule der Mittel­empore stammt aus der Zeit von 1884 oder 1902.

-  die Glasfenster in den Chören wurden 1954 von Erhard Klonk (Marburg) geschaffen und fügen sich harmonisch in die mittelalterliche Kirche ein. Das Fenster neben dem südlichen Seiteneingang ist ein Werk von Heinz Hindorf (Michelstadt im Odenwald) aus dem Jahre 1972. Eine Anregung zum Nachdenken: Was hat Hindorf gegenüber den biblischen Geschichten verändert?

Die Ostern 2006 eingeweihte zweimanualige Orgel von Förster & Nicolaus (Lich) verwendet den historischen klassizistischen Prospekt der früheren Buderus-Orgel von 1841 (eine detaillierte Orgel-Broschüre ist in der Kirche erhältlich).

Erwähnenswert sind nun noch kurz:

- die sehr schlichte barocke Kanzel
- verschiedene Grabsteine des 18. Jh. und ein Bruchstück einer Grabplatte des 15. Jh.
- und einen Opferstock aus dem 17. Jh.

Es gäbe noch vieles über die Kirche zu berichten, doch empfehle ich Ihnen dafür eine sachkundige Führung, rufen Sie einfach an oder schicken eine E-Mail zur Terminvereinbarung.

Wenn Sie die Kirche verlassen, bemerken Sie außen neben dem Eingang das mit einem Steinkreuz bekrönte Grab des 1907 hier verstorbenen Pfarrers Carl Wilhelm Müller. Seinerzeit hatte er sich mit vielen Erzählungen einen bekannten Namen als christlicher Volksschriftsteller erworben.

Gehen Sie nun die Ackertspforte hinunter und Sie gelangen wieder an die „Alte Eiche“.

Wollen Sie noch mehr über Dausenau erfahren, empfehlen wir Ihnen das Heft Dausenau an der Lahn. Herausgeber: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Verfasser: Pfr. Stefan Fischbach M.A. Das Heft kann für 3,- € beim Vorstand erworben werden.

(Text: Pfr. Stefan Fischbach M.A.)

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